10 Herausforderungen am Standort Vietnam
Auch wenn Vietnam als sehr attraktiver Wirtschaftsstandort gilt, so sind ausländische Investoren doch mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Hier haben wir die Top 10 zusammengestellt:
1. Makroökonomische Schwierigkeiten
Derzeit hat das Land mit erheblichen makroökonomischen Problemen zu kämpfen. Insbesondere die hohe Inflation macht dem Land erheblich zu schaffen, da sie die Fortschritte bei der Armutsbekämpfung zum Teil zunichte machen und die hohen Zinsen Investitionen für lokalen Unternehmen erschweren. Geringe Devisenreserven und ein Handelsbilanzdefizit seit einigen Jahren bewirken einen erheblichen Druck auf den Wechselkurs des Vietnamesischen Dong. Ein intransparentes Bankensystem mit noch immer vielen staatseigene Banken birgt gewissen Risiken im Finanzsystem.
2. Außenpolitische Herausforderungen
Die große Konstante in den außenpolitischen Herausforderungen Vietnams stellt sein Verhältnis zu China dar, das seit vielen Jahrhunderten die vietnamesische Außenpolitik prägt. Derzeit tragen die beiden Ländern einen Disput um einige Inseln im Südchinesischen Meer aus, die von geostrategischer Bedeutung sind und in deren Umgebung sich erhebliche Ölreserven befinden. In die Auseinandersetzung sind auch zahlreiche andere Anrainerstaaten involviert. Durch die hohe internationale wirtschaftliche Abhängigkeit beider Ländern und engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Ländern würde eine militärische Eskalation beiden Länder erheblichen Schaden zufügen. Deshalb wird die Gefahr für internationale Investoren durch diesen Konflikt als gering eingestuft. Positive Signale diesbezüglich waren auch die Beilegung von Grenzstreitigkeiten über die Festlandgrenze zwischen beiden Ländern durch Verhandlungen im Jahr 2008.
3. Übertriebene, oft schwerfällige Bürokratie
Der Umgang mit vietnamesischen Behörden ist oft frustrieren und zeitaufwändig. Unklare Regulierungen führen zu Verzögerungen bei den umsetzenden Behörden. Insbesondere bei der Vergabe und Durchsetzung von Landnutzungsrechten außerhalb von Industriezonen sind ein guter Anwalt und Geduld gefragt. Die Umsetzung neuer rechtlicher Vorschriften findet in der Verwaltung oft nur mit erheblicher zeitlicher Verzögerung statt.
4. Mangelnde Rechtssicherheit und Schutz geistiger Eigentumsrechte
Eine in vielen Fällen unklare bzw. widersprüchliche Gesetzgebung, die häufigen Änderungen von Rechtsvorschriften und deren uneinheitliche Implementierung führen zu mangelnder Rechtssicherheit. Gleichzeitig ist die juristische Infrastruktur in Vietnam unterentwickelt, insbesondere die fehlende Unabhängigkeit der Gerichte und die schlechte Ausbildung der Richter. Klare Rechtsgrundlagen für den Schutz geistigen Eigentums sind bislang nicht vorhanden und die Durchsetzung von Rechtsansprüchen ist schwierig.
5. Geringe Transparenz politischer Entscheidungen
Der Prozess der politischen Willensbildung ist insbesondere für ausländische Unternehmen nur wenig transparent. Dies führt für Unternehmer regelmäßig zu nicht vorhersehbaren politischen Entscheidungen. Manager von internationalen Unternehmen attestieren der vietnamesischen Führung allerdings Einsichtigkeit, Entscheidungen, die sich als große Hindernisse für Unternehmen erweisen, zu korrigieren.
6. Verbreitete Korruption
Korruption ist bei vielen Verwaltungsvorgängen noch immer ein weit verbreitetes Phänomen. Auch wenn sich die Situation in den vergangenen Jahren verbessert hat und deutsche Unternehmen die dadurch entstehenden Kosten als relativ gering einschätzen, belegt Vietnam im Corruption Perception Index von Transparency International noch immer einen traurigen 116. Rang (China: Rang 78).
7. Mäßige Infrastrukturqualität in einzelnen Bereichen
Trotz erheblicher Investitionen ist die Infrastruktur in vielen Bereichen noch immer mangelhaft. Die Straßen werden derzeit massiv ausgebaut, aber die Investitionen haben insbesondere in den Ballungsgebieten Schwierigkeiten mit der rapiden Entwicklung des Güter- und Individualverkehrs mitzuhalten. Der Ausbau des öffentlichen Fern- und Nahverkehrs geht nur schleppend voran. Die Flugverbindungen des Landes gelten als sehr gut und preiswert. Die Hafeninfrastruktur wird derzeit massiv ausgebaut. Auch bei der Stromproduktion werden erhebliche Anstrengungen unternommen und zwischen 2010 und 2020 ist eine Verdreifachung der Kapazitäten geplant - dennoch kommt es hier immer wieder zu Engpässen, die jedoch meist nur Wohngebiete und selten die Industriezonen betreffen.
8. Anspruchsvolles kulturelles Umfeld
Erhebliche interkulturelle Unterschiede zu Deutschland erfordern, wie in anderen Ländern Asiens, Einfühlungsvermögen und Kenntnis des lokalen Umfeldes. Dies betrifft vor allem das Verhandeln mit vietnamesischen Geschäftspartnern sowie die Personalführung vor Ort - eine gute Vorbereitung ist zu empfehlen. Wenn auch zahlreiche Vietnamesen Deutsch sprechen und eine große Zahl vor allem der jüngeren Generation Englisch lernt, so ist die Kommunikation oft nicht immer einfach und oft muss auf Dolmetscher zurückgegriffen werden.
9. Relativ wenige gut ausgebildete Fachkräfte
Zwar gilt die Grundbildung und Alphabetisierung in Vietnam sehr gut, jedoch gibt es einen Mangel an Fachkräften. Die Berufsschulen sind im regionalen Vergleich zwar sehr gut, dennoch ist die Ausbildung oft zu theorielastig. Ähnliches gilt für die Universitäten. Insbesondere gut ausgebildete Techniker sind deshalb schwer zu finden. Auch fehlt es an gut ausgebildeten lokalen Managern mit Berufserfahrung. Hier verbessert sich jedoch die Situation von Jahr zu Jahr, da viele Vietnamesen im Ausland studieren und auch immer mehr internationale Hochschulen in Vietnam Managementkurse anbieten. Die Deutsch-Vietnamesische Universität in Ho-Chi-Minh-Stadt setzt einen Schwerpunkt auf technische Ausbildung.
10. Einzelne Industrien sind stark reguliert, langsame Privatisierung
In einzelnen Industrien existieren noch immer Marktzutrittsbeschränkungen für ausländische Investoren. Da Vietnam im Rahmen seines WTO-Beitritts jedoch sehr große Zugeständnisse machen musste, fallen diese Beschränkungen in den nächsten Jahren fast vollständig. Allerdings gibt es noch immer viele staatseigene Betriebe, die einzelne Sektoren dominieren und gegen die sich ausländische Investoren oft nur schwer durchsetzen können. Auch werden die Abschaffung der Investitionshürden für ausländische Investoren in vielen Bereichen durch eine unklare Umsetzung der Regulierungen oftmals erschwert - derzeit aktuell beim Thema Vertrieb. Die Equitisierung der Staatsbetriebe geht noch immer schleppend voran.